„Braunkohle und Eisenbahn“
Zu diesem Thema zeigte, das Zentralarchiv der RWE Rheinbraun und die Modelleisenbahn Gemeinschaft Kerpen eine Ausstellung vom 19.07.2003 – 07.09.2003.
Die
maschinelle Streckenförderung mittels Kettenbahnen kam im Braunkohlenbergbau
etwa ab 1870 zur Anwendung. Diese praktizierte Beförderung der Kohle mit Hilfe
von Förderwagen wurde zunehmend schwieriger und auch unwirtschaftlich. Die Förderwagen,
so genannte „Hunte„ waren an einer ständig umlaufenden Kette eingebunden und
dienten der Beförderung der Braunkohle, zwischen den Förderstrossen und den
Brikettfabriken. Die in dieser Endloskette eingehängten Förderwagen wurden auf
den Wipperboden der Brikettfabrik gezogen, dort entleert und wieder in die Grube
zurück geführt. Vereinzelt waren hierfür im Rheinischen Revier auch
Seilbahnen eingesetzt.
Ab
Mitte der 1920er Jahre setzte in den Gruben im Rheinischen Revier die „Großraumförderung“
ein. Eigens hierfür beschafften die Bergbauunternehmen neue Großraumsattelwagen
und geeignete Lokomotiven. Großraumwagen mit einem Fassungsvermögen von 25 m³
Kohle galten in dieser Zeit als revolutionär. Heute verfügen die Kohlenwagen
bei RWE Rheinbraun über ein Ladevolumen von 96m³.
Die,
bei der Großraumförderung eingesetzten Traktionsmittel fielen von Grube zu
Grube verschieden aus. In den meisten Gruben des Reviers kam die Adhäsionsbahn
(Reibungsbahn) zum Einsatz, die von den Lokomotiven her entweder feuerlos oder
elektrisch betrieben wurde. In Ausnahmefällen, wie auf der Grube „Gruhlwerk“
und später „Fortuna-Nord“ wurden auch Zahnradlokomotiven eingesetzt. Die
Beförderung der Braunkohle in der Grube „Ville“ erfolgte im letzten
Abschnitt zwischen Fördertrosse und Bunker mit Schrägaufzügen. Ab Anfang der
1950er Jahre stellte die Roddergrube Überlegungen an, eine vom Norden bis in
den Süden des Reviers verlaufende, zusammenhängende Kohlenbahn zu bauen –
die heutige Nord-Süd-Bahn.
Auch bei der Beförderung der Braunkohlenprodukte ab Fabrik- oder Staatsbahnhof setzten verstärkt, mit zunehmender Nachfrage nach dem neuen Brennstoff, Veränderungen ein.

Die
Geburtsstunde der ersten Kleinbahn im Revier, der Köln - Frechen - Benzelrather
Eisenbahn (KFBE) schlug bereits im Jahre 1841. Gebaut wurde sie als
Schmalspurbahn, allerdings mit einer dritten Schiene versehen, damit auch die
Wagen der Staatsbahn auf ihr verkehren konnten. Die Bahn erzielte ihre
Haupteinnahmen durch aus dem Güterverkehr, dieser stieg, bedingt durch den Bau
von Ton- und Brikettfabriken so stark, das diese Kleinbahn bereits Anfang 1900
unter allen preußischen Kleinbahnen im Verhältnis zu ihrer Länge den stärksten
Güterverkehr aufwies.
Zwischen
den beiden bereits vorhandenen Staatsbahnstrecken Köln – Aachen und Köln –
Trier gab es zu diesem Zeitpunkt keine weiteren Eisenbahnverbindungen.
Erst
Adolf Siverberg und der Bergheimer Landrat Graf Beissel veranlassten den
Kreistag 1894, dem Bau einer meterspurigen Kleinbahnstreckennetzes zuzustimmen.
Den
Bau der Kleinbahn vollzog der Stettiner Eisenbahnpionier Friedrich Lenz. Ihr
Verlauf zeichnete eine Linie entlang des Villerückens von Bedburg im Norden, über
Bergheim nach Horrem. Von dort aus baute Lenz eine weitere Verbindungslinie über
Mödrath bis nach Liblar auf, die Mödrath-Liblar-Brühler Eisenbahn (MBrB) mit
Anbindung an die Euskirchener Kreisbahn (EKB). Im Jahre 1896 nahm diese
Kleinbahn, als Bahn von untergeordneter Bedeutung, unter dem Namen Bergheimer
Kreisbahnen (BhKB) ihren Betrieb auf.
Von
wenigen Ausnahmen abgesehen, verfügten die Brikettwerke über einen
meterspurigen Anschluss an die Kleinbahn. Von den Werken wurden Rohbraunkohle
und Briketts in die Waggons der Kleinbahn verladen, bis zum nächsten
Staatsbahnhof transportiert und dort in normalspurige Staatsbahnwagen umgeladen.
Ein zeit- und kostenträchtiges Ladegeschäft. Das Problem der unterschiedlichen
Spurweiten musste also dringend gelöst werden.
Wieder
war es Adolf Silverberg zu verdanken, dass er die Weichen in die Zukunft frühzeitig
gestellt hat. Auf sein Betreiben hin konnte der bereits vorgerichtete Oberbau
ohne größeren Aufwand auf die Spurweite 1435 mm umgerüstet
werden. Die Strecken der Bergheimer Kreisbahnen galten nun als
normalspurige preußische „Nebenbahnen“ mit entsprechenden
Tarifbestimmungen.
Die
steigenden Produktionsmengen der Brikettfabriken forderten auch den ständigen
Ausbau der Gleisanlagen. Wurden im Jahre 1891 noch 172.000 t Briketts
hergestellt, so steigerte sich die Produktionsmenge bis 1930 auf 11 Mill. Tonnen
jährlich und wurde bis 1943 sogar auf 14,5 Mill. angehoben. Ein solches
Ergebnis konnte erst wieder 1951 erreicht werden. Zu diesem Zeitpunkt
produzierten noch 25 Fabriken, die an 16 Bahnhöfe angeschlossen waren. Höhepunkt
der Produktionsstatistik war das Jahr 1957 mit 15 Mill. Tonnen. Von nun an
reduzierten sich Produktions- und Absatzmenge zusehends.
Die
Brikettherstellung im rheinischen Revier erfolgt heute nur noch in einer, von
einst 36 Fabriken, der Fabrik Frechen. Die
Produktionsmenge für das Jahr 2002 belief sich auf 900.000 Tonnen.