Bergheimer
Kreisbahnen
1896
– 1912
„[...]Verkehrswirtschaftlich ist das
Kleinbahnwesen unzweifelhaft eine Errungenschaft der Neuzeit und dazu bestimmt,
den großen Bahnlinien ergänzend und unterstützend zur Seite zu
stehen[...].“
Zu dieser Feststellung kamen im
Jahre 1903 die Teilnehmer des Deutschen Geographentages in Köln. Dort wurde u.a. über Thema „Bahnen von untergeordneter Bedeutung“ referierte.
Ob der Bergheimer
Kreisbahnen und die Mödrath-Liblar-Brühler Eisenbahn dieser Aufgabe gerecht
geworden sind, haben die Autoren Volker H.W. Schüler, Manfred Coenen und Karl
Pokschewinski erforscht. Die Ergebnisse ihrer Untersuchungen werden Ende März
2001 im Rahmen der Buchfolge Documenta Berchemensis Historica (dbh) als Band 2
veröffentlicht.
Foto: Kreisarchiv Bergheim
Einer für Viele
Aufruf
an die Bevölkerung im Jahre 1893 „Nachdem der Kreis Euskirchen und die
Gemeinde Frechen mit der Anlage von Kleinbahnen als erste in der hiesigen Gegend
vorgegangen ist, liegt es im Interesse des Kreises Bergheim, auch den Bau
derartiger Bahnen zu bewirken und sie mit den Linien des Kreises Euskirchen in
Verbindung zu bringen. Denn bekanntermaßen dient nichts so sehr dazu, den
Wohlstand einer ganzen Gegend zu heben, als gute und leistungsfähige
Verkehrsmittel zu schaffen. Es ist daher an
alle diejenigen die, die hohe Bedeutung solcher Bahnen für den
Bergheimer Kreis zu würdigen wissen, die Bitte gerichtet:
Sonnabend,
den 19. August, Nachmittags 4 Uhr Im Hotel Weidenbach zu Bergheim,
zu
einer Besprechung über die Bahnangelegenheit zu erscheinen und weitere Bekannte
dazu ebenfalls aufzufordern“.
In
der Dokumentation „Bergheimer Kreisbahnen 1896 – 1912, Schienenwege zur
Industrialisierung des Erftlandes“, sind nicht allein die geschichtliche
Entwicklung des Kleinbahnwesens im früheren Kreis Bergheim, sondern auch der
damit verbundene Aufstieg der Industrie und Landwirtschaft in der Region an der
Erft erfasst.
Foto: RWWA-Köln
In den ersten Kapiteln werden
die Entwicklung des Eisenbahnwesens im Rheinland und die ersten Vorschläge, die
aus den Reihen der Bevölkerung, Großgrundbesitzer und der Politik zur künftigen
Betriebs- und Streckenführung der Schmalspurbahn im Bergheimer Kreis kamen,
abgehandelt. In den folgenden Kapiteln behandeln die Verfasser die politischen
und wirtschaftlichen Gesichts- und Standpunkte, weil diese den Werdegang der
Bergheimer Kreisbahnen mehr oder weniger beeinflusst haben.
Erst
mit der Verabschiedung des Gesetzes über Klein- und Privatanschlussbahnen in
Preußen im Juli 1892 eröffnete sich dem Kreis Bergheim die Möglichkeit, eine
kostengünstige schmalspurige Kleinbahn zu errichten, die den örtlichen und
regionalen Belangen entsprach. Der damalige Landrat, Otto Graf Beissel von
Gymnich, sah nun reelle Chancen, den Bau schnell voran zu treiben. Im August
1893 stellte er in Berlin den offiziellen Antrag zum Bau der Bahn mit einer
Spurweite von 1000 mm.
In
den nächsten Kapiteln wird über den Eisenbahnpionier Friedrich Lenz, seinen
Verhandlungen mit dem Kreis Bergheim, die Gründung der WEG, den Antrag auf die
dritte Schiene (1435 mm), die sogenannten „Lenz-Normalien“ und die einzelnen
Streckenabschnitten der Bahnen bis 1912, dem Jahr der Verstaatlichung,
berichtet. Ein Portrait von Friedrich Lenz, verschiedene Fahrzeuglisten und
technische Daten zur Kreisbahn sind ebenfalls vorhanden. Auf rund 260 Seiten mit
zahlreichen Fotos, Anzeigen und Faksimiles wird die Zeit der Kreisbahn
anschaulich dokumentiert.
Der
Braunkohlen- und Zuckerindustrie ist ein gesondertes Kapitel gewidmet. Es zeigt
auf, wie die vor allem der aufstrebende Bergbau den Bau der Bahn einerseits
beeinflusst und voran getrieben hat, die Region andererseits vom Aufschwung der
Industrie profitierte. Im Anhang sind die „All-gemeinen Bedingungen für die
Zulassung von Privatanschlüssen“, exemplarische Beispiele für Verträge der
Bahnbetreiber mit der Braunkohlenindustrie sowie eine umfangreiche Sammlung von
Strecken- und Lageplänen der BhKB/ MLBE zu finden.